UMTS schleicht auf Zehenspitzen in die Mobilfunkwelt

UMTS schleicht auf Zehenspitzen in die Mobilfunkwelt

- von Richard Breum und Stefan Paul Mechnig - Düsseldorf (vwd) -

Man ist bescheiden geworden, nach 3 Jahren des Wartens. Selbst wenig bedeutende Informationen finden jetzt Beachtung, wenn sie nur zeigen: In das Sorgenthema UMTS scheint endlich ein bisschen Leben zu kommen. Zwar sind es weiter kleine Schritte, doch immerhin: 2004 tut sich was in der deutschen Mobilfunkwelt, auch nach außen hin. Demnächst sollen, mit großer Verspätung, Praxistests fern der Labors anlaufen. Zur Cebit im März wollen einige Betreiber die ersten kommerziellen Angebote vorstellen - schon das ist inzwischen ein Wagnis. Und schließlich schwärmen bald Experten des Regulierers aus und prüfen den Ausbau des - noch leeren - Netzes. Die neue Übertragungstechnik hat Fortschritte bitter nötig. Im zu Ende gehenden Jahr reihte sich eine negative Nachricht an die andere und zementierte den Ruf von UMTS als Milliardengrab. Hatten die Mobilfunker wie T-Mobile oder Vodafone anfangs den Herbst als Startdatum angepeilt, so sahen sie später davon ab, überhaupt noch einen Zeitraum zu nennen. Die Schuld für die immer neuen Verzögerungen geben sie den Handy-Herstellern, die nicht in gewünschter Qualität und Anzahl liefern könnten. Doch überhaupt ist die mobile Datenkommunikation, die ja schon über die Zwischentechnik GPRS möglich ist, noch nicht recht ans Laufen gekommen. Lässt man SMS-Textbotschaften außer Acht, so kommen einer Studie des Branchenverbandes VATM zufolge "echte" Datendienste wie mobile Spiele oder das Laden von Klingeltönen 2003 erst auf einen Anteil von 1,2% am deutschen Mobilfunkumsatz. Um die Nachfrage anzukurbeln, werden im Weihnachtsgeschäft State-of-the-Art-Handys bei Abschluss eines Zweijahres-Vertrags für einen Euro verramscht. Aber auch aus den europäischen UMTS-Pioniermärkten ist wenig Erfreuliches zu hören. Inzwischen werden Dienste auf Basis der leistungsstarken und schnellen neuen Technik seit März in Italien, seit April in Österreich und seit Mai in Großbritannien und Schweden angeboten. Probleme auch im übrigen Europa Auf den wichtigen italienischen und britischen Märkten sind freilich die Pläne von Hutchison Whampoa, einer der großen Akteure bei UMTS, nicht aufgegangen. In beiden Ländern wollte der asiatische Mischkonzern bis Ende des Jahres jeweils 1 Million Kunden gewinnen. Dieses Ziel gab er auf - bis August kamen insgesamt nur 520.000 Nutzer zusammen. Da half es offenbar wenig, dass die Endgeräte in Italien sogar verschenkt wurden. Anfangs gab es technische Schwierigkeiten; zuletzt machte Hutchison Lieferprobleme von NEC und Motorola für den flauen Absatz verantwortlich. Die Handys, welche die großen Hersteller schon anbieten oder in Aussicht stellen, sehen zwar chic aus und haben viel versprechende Leistungen. Doch technisch hakt es offenbar weiter. So sagt der weltgrößte Mobilfunkbetreiber Vodafone, der in Düsseldorf seit 2000 ein Testcenter unter Beteiligung von etwa 40 Herstellern betreibt, dass der Übergang von UMTS auf den derzeitigen Standard GSM noch nicht in allen Fällen zuverlässig funktioniere. Engpass seien gute Handys in größerer Stückzahl. In Kürze will Vodafone deutschlandweit einen lange verschobenen Test mit Kunden starten; intern versuchen sich bereits seit Monaten eigene Mitarbeiter an UMTS. Kommerzielle Services sollen im globalen Vodafone-Netz ab dem Frühjahr kommen, eine große Vermarktungskampagne ist für den Herbst vorgesehen. Wann es in Deutschland losgehen soll, lässt das Unternehmen offen. Auch T-Mobile nennt keinen offiziellen Termin. Erst müsse das Kundenerlebnis mit den eigenen Qualitätsmaßstäben in Einklang sein. E-Plus will die Vermarktung UMTS-basierter Dienste nach der CeBIT starten; das Mutterhaus KPN unternimmt seit dem Herbst Tests mit Geschäftskunden in den Niederlanden. O2 hat sich zu der Hightech-Messe die Präsentation von Angeboten vorgenommen. Mitte November wurde ein firmeninternes Probenetz gestartet. Diverse Gründe für Start-Verzögerung Gleich eine Reihe von Faktoren verhindert nach Meinung von Experten einen schnellen Durchbruch mit UMTS. So haben die Anbieter die technischen Probleme unterschätzt. Die Handys sind wegen der großen Batterien klobig, die Auswahl ist sehr begrenzt, und die Netze sind noch nicht stabil. "Die Technik gehört derzeit zu den größten Stolpersteinen für UMTS", sagt Nikolas von Stackelberg, Analyst beim Bankhaus Oppenheim. Die Struktur des Marktes ist einem schnellen Start ebenfalls nicht förderlich: Vor einigen Jahren hatte man noch mit viel mehr Wettbewerb gerechnet. Jetzt sind Mobilcom und Quam ausgeschieden, die Überlebenden können sich mehr Zeit lassen. Außerdem sind die Kunden skeptisch. Michelle de Lussanet von der Beratungsgesellschaft Forrester sagt: "Die Konsumenten müssen sich erst allmählich an die neuen Möglichkeiten gewöhnen." Einhellig rechnen die Beobachter im kommenden Jahr deshalb mit einem nur allmählichen Start in Deutschland. 2004 werde UMTS noch keinen großen Einfluss auf den Mobilfunkmarkt haben - und 2005 auch nicht, sagt de Lussanet. Auch 2008 werden nach ihren Schätzungen erst 21% der Mobiltelefonkunden in Europa UMTS nutzen. Allerdings haben die teuren Lizenzen eine Laufzeit von 20 Jahren. Entsprechend ist sich Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz sicher, dass der Erfolg von UMTS nur eine Frage der Zeit ist. Von Quartal zu Quartal nehme die Nachfrage nach übertragenen Bits zu. Und mit UTMS lasse sich Datenmenge zum Bruchteil der bisherigen Kosten übertragen. Für Stackelberg ist die Konzentration auf die Technik im Grunde verfehlt: "Einem Autofahrer ist doch auch egal, dank welcher Technik sein Wagen anspringt." Neue Technologien zögen Schritt für Schritt in die Telefone ein und erweiterten deren Möglichkeiten: "UMTS ist dann irgendwann in den Geräten drin, auch wenn sich jemand gar nicht bewusst dafür entscheidet."

vwd/8.12.2003/stm/rib/har/jhe

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NoIdea

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Der (Mis-) Erfolg von GPRS liegt an den nach wie vor exorbitanten Preisen, insbesondere wenn man als Gelegenheitsnutzer keinen Tarif mit Mindestumsatz hat. Und wenn die Netzbetreiber für UMTS wie angekündigt dieses Preisniveau halten wollen wirds wohl so schnell nichts mit dem Massengeschäft. Solange ich mich finanziell ruiniere wenn ich eine Mail mit Anhang versende oder empfange warte ich halt lieber bis ich eine Telefondose in Reichweite habe.
 

Der Grieche

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äähm.. wenn du wap an sich nutzt ist GPRS viel besser. also die standard WAP seiten. Textmails über wap anschauen, bzw. NICHT riesige anhänge laden lohnen sich auch noch!
Aber sobald du größere daten abfragst: HSCSD... so fahre ich eigentlich ganz gut.
 

6210#fan

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Hallo,

das GPRS ein Misserfolg sein soll kann ich nicht sagen. Ich nutze nur noch GPRS. Auch für sehr große Datenmengen. Da kann zumindest bei mir HSCSD in keinster Weise mithalten und ist für mich viel zu teuer!!!

Netzbetreiber und Service Provider bieten entsprechende GPRS-Tarife an. Damit halten sich die Kosten schon sehr in Grenzen. es kommt aber eben auf dem Nutzer selber an.

Warum derzeit alle UMTS abschreiben ist mir ein Rätsel. Scheinen wohl die jenigen in die Zukunft sehen zu können. Eine Frage: Wie kann man schon über etwas ein Urteil abgeben dass noch nicht einmal für alle nutzbar ist? Und wieso sagt keine dass WLAN von den Nutzerkosten billig ist? 8 Euro pro Stunde oder bis zu 30 Euro für 24 Stunden, die Zeit läuft sehr oft nach einer Abmeldung weiter, sind ja wohl auch deutlich zu hoch. Trotz dieser überzogenen Kosten wird auch WLAN unterwegs sehr viel genutzt und jeder ist scharf auf WLAN. Wie die Medien doch jeden einzelnen beieinflussen kann.
Aus meiner Sicht haben sich die meisten bei ihrer Beurteilung von der Fachpresse (wenn man sie so nennen darf) beeinflussen lassen. Zumal jeder genau dass sagt was der andere auch schon gesagt hat.
Die derzeitigen Aussagen zu UMTS sind bis jetzt in keinem Punkt haltbar. Warten wir die Sache doch erst einmal ab. Persönlich kann ich nur sagen das UMTS eine große Zukunft und über MMS hat auch jeder über die Kosten gemosert. Dennoch wird es sehr viel genutzt. Wenn
ich mir die MMS-Daten der Netzbetreiber und Service Provider anschaue. Der Mobilfunkmensch ist sowieso ein seltsamer Typ. Er mosert über alles was teuer ist und die Mehrheit nutzt es dann doch.:confused:
 
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