PRESSE: Nokia und Sony-Ericsson dominieren bei High-Tech-Handys

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Nokia und Sony-Ericsson dominieren bei High-Tech-Handys

22. September 2003 Der Markt für High-Tech-Handys kommt in Schwung. Nach Angaben des britischen Marktforschers Canalys stieg der Absatz der Kamera-Handys in Europa vom ersten zum zweiten Quartal um 166 Prozent auf 3,8 Millionen Geräte. Die Zahl der verkauften Smartphones, die mit Computerfunktionen ausgestattet sind, legte in diesem Zeitraum um gut 20 Prozent auf 1,1 Millionen zu. "Beide Segmente werden in den kommenden fünf Jahren schnell wachsen. Im Jahr 2007 werden Smartphones Standard sein", sagt Neil Strother, Analyst beim Forschungsunternehmen In-Stat.

Diese technisch anspruchsvollen Mobiltelefone, mit denen die Kunden Digitalfotos schießen, Musik hören, E-Mails empfangen oder im Internet surfen können, sind die Hoffnungsträger der etablierten Handy-Hersteller. Während der Konkurrenzdruck der asiatischen Hersteller wie Samsung, Sharp, Panasonic und LG im margenarmen Segment der Standardgeräte ständig wächst, haben sich Nokia und Sony-Ericsson bedeutende Anteile am High-Tech-Markt erobert. Nach Angaben von Canalys-Analystin Rachel Lashford hat Nokia im Segment Kamera-Handys 42,6 Prozent Marktanteil in Europa erreicht.

Markt der Smartphones

Das japanisch-schwedische Gemeinschaftsunternehmen Sony-Ericsson hat mit seinen Geräten einen Anteil von 22,1 Prozent in Europa erobert, deutlich mehr als im gesamten Handy-Markt. Die starke Position im oberen Marktsegment hat sich ausgezahlt. Zwischen April und Juni hat das Gemeinschaftsunternehmen, das seit seiner Gründung chronisch Marktanteile verloren hat, seinen Handy-Absatz um fast 18 Prozent auf 6,3 Millionen erhöht. "Der überraschende Aufschwung ist auf hohe Absatzzahlen in Japan und neue Produkte wie das Kamera-Handy T610 zurückzuführen", sagt Ben Wood, Analyst bei Gartner Dataquest. Dagegen spielen Motorola, Samsung und Siemens in diesem Zukunftsmarkt nur untergeordnete Rollen in Europa.

Eine gute Startposition im Markt der Smartphones hat eine besondere strategische Bedeutung. Denn nach Schätzungen der Forscher wird sich der Smartphone-Markt in den kommenden Jahren jeweils verdoppeln und damit deutlich schneller wachsen als der Markt der sogenannten Handhelds. Deren Hersteller wie Palm, Hewlett-Packard oder Sony folgen zwar dem Trend, möglichst viele Funktionen in einem Gerät zu vereinen, und bauen daher Telefonfunktionen in ihre Minicomputer ein. Doch die Zuwächse, die Canalys auf rund 30 Prozent im Jahr schätzt, muten gegen die erwarteten Wachstumsraten im Smartphone-Geschäft bescheiden an.

Herkunft als Handy

Smartphones haben den Vorteil, ihrer Herkunft als Handy treu geblieben zu sein. Diese Mobiltelefone wie das Sony-Ericsson-Flaggschiff P800 sind mit moderner Technik vollgestopft: Adreß- und Terminverwaltung, Textverarbeitung, Internet-Browser und MP3-Abspielfunktion gehören ebenso zur Standardausrüstung wie ein Farbbildschirm, schnelle Datenübertragung und Funktechnik. Digitalkamera und Bildbearbeitung sind ebenfalls mit an Bord. Auch hier haben Nokia und Sony-Ericsson mit zusammen 93 Prozent Marktanteil klar die Führung in Europa übernommen, während Motorola, Samsung und Siemens in den europäischen Statistiken noch gar nicht auftauchen.

Siemens hat sein Smartphone SX1, das eigentlich im Juni in die Läden kommen sollte, bis heute nicht auf den Markt gebracht. Die France-Télécom-Tochtergesellschaft Orange hat mit dem taiwanischen Hersteller HTC ein Smartphone auf dem Markt, das auf der Basis eines Microsoft-Betriebssystems funktioniert. Wegen einer hohen Fehlerquote der Geräte ist der Anteil des Orange SPV aber gering. Mit Spannung wartet der Markt auf den neuen Anlauf von Microsoft, im Smartphone-Geschäft Fuß zu fassen. Das neue Gemeinschaftsprodukt MPX200 von Motorola und Microsoft soll im Oktober in die Läden kommen. Auch die Netzbetreiber mischen in diesem Markt mit. Zum Beispiel bieten T-Mobile und O2 Taschencomputer an, die Smartphone-Funktionen aufweisen.

Akzeptanzbarrieren für Massenmarkt

Allerdings haben die Hersteller noch Hausaufgaben zu machen: "Obwohl beide Handy-Kategorien eine große Zukunft haben, zeigt ein Blick hinter die Kulissen einige Hürden: Bei den Smartphones stellen der hohe Preis, fehlende Anwendungen und eine unzureichende Netzkapazität Akzeptanzbarrieren für den Massenmarkt dar. Die Geräte sind weiterhin auf die professionellen Anwender zugeschnitten", sagt Strother. "Kamera-Handys benötigen bessere Meßinstrumente, mehr Speicherkapazität, längere Batterielaufzeiten und bessere Netzwerkfunktionen, um den Bildertausch zwischen Mobiltelefonen zu vereinfachen", rät Strother.

In der schnellebigen Mobilfunkbranche können sich Nokia und Sony-Ericsson aber nicht auf ihren Erfolgen ausruhen. Die nächste große Technikwelle steht vor der Tür: UMTS, die dritte Mobilfunkgeneration, wird hoffentlich zur Computermesse Cebit im kommenden Frühjahr endgültig in Deutschland starten. Bisher ist noch nicht klar, welche UMTS-Handys dann in den Geschäften angeboten werden. Zwar haben die etablierten Hersteller Nokia, Motorola und Sony-Ericsson erste UMTS-Geräte vorgestellt, doch die Netzbetreiber scheinen damit nicht zufrieden zu sein. Zu klobig und keine Möglichkeit der Videotelefonie lautet die Kritik der meisten Netzbetreiber.

Mit Spannung wird nun erwartet, ob asiatische Hersteller wie Samsung in der Lage sein werden, die gewünschten Funktionen in formschöne Geräte einzubauen. Die müssen allerdings funktionieren. Noch passen Netze und Handys verschiedener Hersteller in vielen Fällen nicht zueinander. Auch die Übergabe der Gespräche zwischen herkömmlichen GSM- und den neuen UMTS-Netzen funktioniert noch nicht. Die Stunde der Techniker hat geschlagen. In der Zwischenzeit greifen die Marketing-Fachleute schon zum letzten Mittel: Der Mischkonzern Hutchison Whampoa, der in England und Italien bereits UMTS-Netze betreibt, verschenkt Handys von NEC und Motorola, um neue Kunden zu gewinnen. In Italien hat Hutchison nur 300 000 Kunden von den Vorzügen der UMTS-Technik überzeugen können. Offenbar ist der Zusatznutzen gegenüber der bisherigen Technik trotz millionenschwerer Marketing-Kampagne nicht zu vermitteln.

FAZ.NET
 
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