Hilfbereitschaft - Wat is dat den?

Stefan Fritzenkötter

Bekanntes Mitglied
Heute war ich in Perlach unterwegs. Sehe dann auf der gegenüber liegenden Straßenseite 3 ältere Damen, wobei eine komplett flach auf dem Rücken liegt. Konnte aber nicht direkt auf die andere Straßenseite, weil da Autos wegen einer roten Ampel standen. Ein paar Meter weiter wende ich und fahre zurück. Es waren bisher immer noch nur die 3 Damen da. Halte also direkt an der Bushaltestelle und steige aus. Nehme Handy mit, falls ein Notarzt oder so benötigt wird. Notarzt wurde nicht benötigt, aber wohl ein Krankenhaus, was gleich in der Nähe ist. Also hebe ich die ältere Frau mit einem Passanten, den ich forsch auffordern mußte, in meinen Wagen um Sie dort hin zu fahren.

Das Kuriose an der Sache ist, daß an der Bushaltestelle ca. 10 Leute die ganze Zeit nur geschaut haben und die Ampel, bevor ich angehalten habe 2x auf Rot gestanden hat und einge Wagen, da Rush-Hour, anhalten mußten.
Alle haben nur geschaut, keiner hat irgendwie mal mit angefasst oder gefragt ob er helfen kann.
Super... Echt... :flop: :flop: :flop: :flop: :flop:
 
ist schon pervers was hier in Deutschland abgeht, da kannst Du mitten auf der Straße verrecken - es interessiert wirklich niemanden :flop: Es gab auch schon einige Reportagen darüber, Passanten die "Testweise" umkippten oder gestellte Autounfälle, es hat teilweise 30 min gedauert bis jemand geholfen hat :eek:
 

WickBlau

Mitglied
Hi,

ich habe meinen Zivildienst im Rettungsdienst verbracht und bin wirklich erschrocken (!!), Wie oft man zu einer hilflosen Person (z. B. Verkehrsunfall, Kreislaufkollaps, etc.) kommt und es stehen 10 Leute aussenrum - und niemand hilft!

Was ist dabei, mal nachzusehen ob die Person ansprechbar ist? Was ist dabei, der Person in eine möglichst schmerzfreie Position zu verhelfen? Man muss auch keine stabile Seitenlage beherrschen, um jemand so hinzudrehen dass Erbrochenes leicht abfliessen kann!

Eine minimale Grundkenntnis über den menschlichen Körper genügt, um bei einer bewusstlosen Person die Vitalfunktionen zu erhalten... und das ist das wichtigste bis der Rettungsdienst eintrifft - falsch machen kann man fast nichts! Brecht mir ruhig meine Rippen beim Reanimieren, aber ich möchte nicht unter den Augen Schaulustiger verrecken!

Meine Forderung: An deutschen Schulen wird so viel Müll gelehrt den kein Mensch im Leben braucht... aber Erste-Hilfe-Unterricht gibt es wenn dann nur auf Freiwilligen-Basis... also: feste Integration der Ersten-Hilfe in die Lehrpläne aller Schulen.

Wenn ich in einen Bus steige, löse ich eine Fahrkarte - genauso muss das Selbstverständnis für Erste-Hilfe sein. Wenn man zu einer hilflosen Person komt, muss jeder helfen!

Stefan - gute Sache! Hoffentlich hat wenigstens einer der Autofahrer oder an der Bushaltestelle Wartenden ein schlechtes Gewissen gekriegt und denkt beim nächsten Mal gar nicht darüber nach, wegzuschauen.
 

T39

Bekanntes Mitglied
Erste-Hilfe

Ich glaube, viele springen deshalb nicht sofort ein, weil sie überhaupt nicht mehr wissen, wie Erste-Hilfe buchstabiert wird.

Ich müsste auch mal dringend einen Wiederholungsgskurs in Erste-Hilfe besuchen. :rolleyes:
 

indiana1212

Bekanntes Mitglied
Hat IMHO auch mit einem immer stärker werdenden Desinteresse der Menschen zu tun.

Was geht mich denn der Andere an ?. Bloß nicht auffallen, was helfen oder sonst was. Ich könnte ja dabei wertvolle Minuten meiner Zeit verlieren, ach da stehen doch auch noch 10 andere rum.

Genau das denken halt die 10 anderen auch.

Traurig aber wahr.
 

Stefan Fritzenkötter

Bekanntes Mitglied
Zitat:
von: WickBlau
Stefan - gute Sache! Hoffentlich hat wenigstens einer der Autofahrer oder an der Bushaltestelle Wartenden ein schlechtes Gewissen gekriegt und denkt beim nächsten Mal gar nicht darüber nach, wegzuschauen.
Aber ich habe immer "Glück" solche Leute mit Prolemen anzutreffen. Die ältere Dame war in dieser Woche Nummer 2.
Die erste Person war ein junger Mann, der einen epileptischen Anfall bekommen hat und sich am Boden gewälzt hat.
Just in dem ich an dem mann vorbei fuhr und das sah ist auch ein Polizeiwagen dran vorbei(!!!) gefahren. Habe dann gewendet und dann ein paar Meter weiter nach Hause gefahren.
Mobil gesendet mit WinCE.
 

xoduz

Aktives Mitglied
Ich glaube, da spielt oft auch Angst eine Rolle. Gerade in Zeiten, die allgemein immer "fieser" werden, sprich, in denen man alle Naselang von einem Gerichtsurteil liest, in dem jemand - sei es auch in den USA - zu viel Schadensersatz oder Schmerzensgeld verurteilt wurde.
Wer will da schon riskieren, etwas falsch zu machen und am Ende Aerger zu bekommen?

Versteht mich nicht falsch, ich finde das nicht richtig so - ich versuche nur, es zu verstehen.

Persoenlich bin ich noch nie in so einer Situation gewesen (auf der Seite des Helfenden, meine ich), daher kann ich nicht sagen, wie ich reagieren wuerde. Allerdings hab ich mir durchaus vorgenommen, zu helfen.

Das, was im 1. Hilfe Kurs bei der Fuehrerscheinpruefung gelehrt wird, interessiert wikrlich niemanden dort wirklich - es wollen doch alle nur diese Bestawtigung haben, und der 'Lehrer' ist auch froh, wenn wenigstens ein ganz klein bisschen haengen bleibt.
Ich finde auch, pro Schuljahr 90 Minuten 1. Hilfe als Pflicht (mit nach Alter ansteigendem Niveau) wuerden etwas aendern, denn wer jedes Jahr das gleich eingehaemmert bekommt, merkt es sich doch zwangslaeufig. Oder was meint Ihr?
 

insanctus

Neues Mitglied
Ich bin hauptamtlich im Rettungsdienst tätig und ich finds erschreckend wie sich manche leute nen scheissdreck kümmern.

Okay ich kann es verstehen, das manche leute sich nicht trauen, ich hab ja selbst in den 2 jahren zwischen erste hilfe kurs und rettungsassistentenausbildung fast alles vergessen.

Aber das die Leute, wenn sie schon nicht helfen, dann noch nicht mal die 112 wählen (fast jeder hat ein handy!) und jemanden rufen der helfen kann, das finde ich beschämend.


weiterhin finde ich, dass erste hilfe kurse alle 2 jahre auffrischen pflicht werden sollte. was nützt es, wenn der rettungsdienst nach 4 minuten kommt, jemanden wiederbelebt, aber dann einen zombie erschaffen hat, weil keiner atem gespendet hat, weil ein hirn, das minuten ohne sauerstoff, geschädigt ist?

Mut zur hilfe! immer daran denken: ihr könntet es sein, der da auf dem boden liegt

EDIT:
Wer will da schon riskieren, etwas falsch zu machen und am Ende Aerger zu bekommen?
Jeder Rettungsdienstler wird dir das gleiche darauf antworten: Nichts ist falscher, als NICHTS zu machen. Selbst eine nicht ganz genaue Herzdruckmassage oder Atemspende ist besser als gar keine!
 
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