Fische im Goldfischglas?! Erfahrungen/Meinungen?

psAiko

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Hallo Leute!

Vorwort:
Liebe Tierfreunde und Tierschützer! Nein, ich bin kein Tierquäler! Nein, ich möchte auch nicht, dass ich in einem großen runden Glas gefangen gehalten werde! Nein, ich kann mich nicht in das Gefühlsleben eines Fisches hineinversetzen! Aus diesen Gründen will ich mich ja vorher informieren! Also keine Hysterie!

Also...
...Ich würde gerne so ein Goldfischglas haben, das wohl jeder irgendwo, mindestens im TV, schonmal gesehen hat. Habe gehört, für Goldfische sind die nicht wirklich geeignet, weil zu wenig Sauerstoff, zu eng, zu einsam... Inwieweit stimmt das/stimmt das nicht?

Siamesische Kampffische?
Gibt es andere Fische, für die so eine Umgebung geeignet ist? Mir hat mal jemand erzählt, siamesische Kampffische hätten damit keine Probleme, weil sie in Natur auch in sauerstoffarmen, warmen, kleinen "Pfützen" leben und auch nicht sonderlich scharf auf Mitbewohner sind! Weiß da jemand mehr?
Die wären dann natürlich ideal, weil sie geil aussehen und sich auch noch pudelwohl fühlen!

Oder gibt es andere Alternativen von Fischen?

Hat jemand selbst Erfahrungen mit "Goldfischgläsern" in Betrieb? Dann teilt sie mir mit!

Ciao, Andi
 

Thatsme

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Runde Aquarien sind für keinerlei Fische geeignet. Hauptgrund ist vor allem mit, daß es keine Ecken gibt, in die sich die Fische zurückziehen können, wenn sie sich irgendwie bedroht fühlen, was ja durchaus geschehen kann, wenn jemand an das Aquarium herantritt.

Natürlich liegts auch daran, daß die Sauerstoff und auch die Lichtversorgung nicht so optimal sind.

Was stimmt ist, daß Du Siamesiche Kampffische alleine halten kannst, weil diese keine Gesellschaft brauchen bzw. meistens recht aggressiv auf diese reagieren. Zumindest die männlichen, die ja auch am besten aussehen.

Aber dann kauf Dir wirklich ein eckiges Aquarium. Die sehen nicht soviel schlechter aus und der oder die Fische werden es Dir danken.
 
Moin,
schließe mich da meinem Vorposter an.
1. Besorge dir lieber ein Rechteck-Aquarium mit allem Drum und Dran. Goldfischgläser sind denkbar ungeeignet.
2. Kampffische kann man unbesorgt vergesellschaften. Mit Fremdfischen oder ein Männchen und mehrere Weibchen.

Hier mal ein Artikel zur Kampffischhaltung im Goldfischglas.

Trotzdem habe ich hier noch das einzig wirklich geeignete Goldfischglas gefunden ;).

cu
 

psAiko

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Also ich weiß nicht so recht....

Den Artikel, den GeneralCluster gelinkt hat, kannte ich schon. Und er ist sehr bezeichnend. Ein Aquarianer verteufelt diese Gläser, hat aber kein einziges Argument. "Das ist einfach so, dass das böse ist!" Das war kein Zitat, aber so kommt das oft rüber. Viel Emotion, wenig Inhalt!

Aber natürlich werden oft auch Argumente geliefert. Und so oft, wie sie sich wiederholen und ähneln, wollen sie mir nicht einleuchten.
  1. Sauerstoffproblem
  2. Lichtproblem
  3. Größe
  4. Rückzugsproblem
  5. Verhaltensstörungen durch runde Form
    [/list=1]
    zu 1.) Das ist für z.B. siamesische Kampffische anscheinend kein Problem.

    zu 2.) Die Beleuchtung ist vielleicht nicht ganz so komfortabel und einfach wie einem rechteckigen Aquaium, aber ich denke, das bekomme ich hin.

    zu 3.) Oft wird einem empfohlen, doch lieber ein kleines eckiges Aquarium zu nehmen. Wenn aber das Glas eine ähnliche Größe hätte, ist dieses Argument völlig untauglich!

    zu 4.) Ok, sehe ich ein, dass Fische Rückzugs- u. Versteckmöglichkeiten wollen. Aber ich kann doch genauso gut in einem runden Aquarium entsprechende Pflanzen und Einrichtungen plazieren?

    zu 5.) Das glaube ich einfach nicht! Oft wird einem die polemische Gegenfrage gestellt, oft ich denn gerne in einem runden Aquarium leben will! Haha! Natürlich nicht! Aber genauso wenig in einem 55 l Aquarium! Und auf menschliche Behausungen übertragen: Es ist halt nur einfach sehr viel praktischer, einfacher, effektiver, eckige Räume zu bauen als runde. Das ist alles! Und es gibt und gab genug Völker, die in runden Behausungen, Hütten, usw. leben und NICHT verhaltensgestört wurden deshalb! Und in freier Natur haben sie ja sowieso mehr Platz. Einsperren tun wir sie alle! Ein eckiges Gefängnis ist genauso unnatürlich wie ein rundes!

    Wer aber trotzdem denkt, er kann mich eines besseres belehren, weiter versuchen! :)
 
Moin,
ich will dir das keineswegs ausreden ;). Ich habe als Hobby-Aquarianer eben eine andere Meinung.

1. Kampffische sind Labyrinthfische, d.h. sie können sich an der Oberfläche mit Sauerstoff versorgen. Ich würde trotzdem für eine gute Durchlüftung sorgen. Da das Wasser ja auf alle Fälle gefiltert werden sollte geht das in Einem.

2. Das Licht, okay bei einem sehr hellen Standort ist womöglich Tageslicht ausreichend, sollte aber ein Bepflanzung geplant sein, ist Kunstlicht zu empfehlen.

3. Die Beckengröße ist auf alle Fälle bestimmend für das Wohlbefinden des Fisches. Also wenn du eine Glaskugel mit mindestens 40 Litern Inhalt findest ist es von der Wassermenge okay ;).

4. Eine Bepflanzung und/oder anderweitige Versorgung mit Rückzugsmöglichkeiten sollte vorgesehen werden. Es ist bei einer Glaskugel daran zu denken, das der Ort von allen Seiten ungestört ist. Was nützt ein Stein im Wasser, wenn ich nur um die Kugel gehen muss und von der anderen Seite gucken/stören kann.

5. Ergibt sich aus 4.

Also ich persönlich würde ein solche Glaskugel nicht anschaffen. Dagegen sprechen unter anderem ganz pragmatische Gründe.

1. Die Kugel kann nie zu groß sein, was aber heißt, das sie massig Platz braucht.

2. Die Technik lässt sich nicht gut unterbringen/verstecken.

3. Die Beleuchtung ist extrem teuer (hängende Quecksilberdampfleuchte)

4. Die Bepflanzung/Arrangement der Kugel ist sehr aufwändig.

Das Strömungsverhalten des Wasser ist beim Filtern in der Kugel ungünstig. Meine Labyrinthfische bauen auch in einem durchströmten Rechteckaquarium ihre Schaumnester ;). Anscheinend fühlen sie sich dabei wohl. Eine weiterführende Argumentation auf der Ebene wissenschaftlicher Erkenntnisse der Verhaltensforschung willst du ja nicht hören ;). Deshalb belasse ich es bei den o.g. Punkten.

So das ist meine Meinung zu dem Thema. In dem von mir verlinkten Artikel wird auf einen Trend hingewiesen und der Artikelschreiber ist sehr unglücklich darüber, das anscheinend immer Menschen meinen, sich die Fische in einer Glaskugel halten zu können. Das Thema haben wir aber schon vor Jahrzehnten ad acta gelegt. Ich bedauere es, das anscheinend aus einer Mode heraus, gesammelte und verifizierte Erkenntnisse der Forschung (ja eben!) über den Haufen geworfen und schlicht nihiliert werden.

cu
 

Thatsme

Neues Mitglied
So wie es klingt, willst Du Dich ja nicht überzeugen lassen, von daher ist es eigentlich auch ganz egal, weitere Erklärungsversuche zu starten. Es gibt halt Dinge im Leben, die sollte man einfach als gegeben hinnehmen ohne erst eine wissenschaftliche Abhandlung zu verlangen (die es zu diesem Thema garantiert auch irgendwo gibt) Trotzdem noch paar Anmerkungen:

zu 1.) Auch siamesische Kampffische brauchen Sauerstoff. Wie alle. Und wenns nicht genug ist, ists nicht genug. Und ein rundes Aquarium hat meistens eine zu geringe Wasserobefläche, so daß der Sauerstoffaustausch zu gering ist.

zu 2.) Du hast schon Recht, das kann man hinbekommen, aber schwer. Bei eckigen Aquarien bekommst du immer gleich dei Beleuchtung mit. Zeig mir mal, wo Du ein rundes herbekommst, wo das auch gleich mit angepaßt ist.

zu 3.) Sicher gibts auch runde Aquarien mit 60 l nehmen, aber meistens werden nur diese klitzekleinen Aquarien angeboten, die auf das Tischchen neben der Couch passen.

zu 4.) Es geht um die Rückzugsmöglichkeiten in Ecken. Klar kann ein rundes Aquarium auch Pflanzen und Steine beinhalten. Aber dann muß es auch wieder groß genug sein, um noch genügend Schwimmraum zu lassen.

zu 5.) Du kannst einen Menschen nicht mit einem Fisch vergleichen! Und Fische haben ein anderes Orientierungsvermögen als Menschen, welches in runden Aquarien gestört ist. So bekommen auch Papageien in runden Käfigen Verhaltensstörungen. Ich kann Dir jetzt keine wissenschaftliche Erklärung liefern, da ich kein Biologe bin.

edit: da war gerade jemand schneller als ich *gg*. Aber doppelt hält ja bekanntlich besser.
 

psAiko

Neues Mitglied
Nein nein, ich würde mich schon überzeugen lassen. Aber ich bin halt nur noch nicht überzeugt worden. Die Sache mit der Umständlichkeit und dem Preis und so ist ja meine Angelegenheit und dem Fisch wird das ziemlich egal sein. Und um ihn geht es ja. Insofern sind diese Sachen vernachlässigbar!

Was den Rest betrifft, bin ich halt nun mal nicht so der Typ, der "Sachen einfach als gegeben hinnimmt", wenn es mir nicht einleuchtet, nicht schlüssig erklärt wird und ich das Gefühl habe, dass es halt jeder, der dieser Meinung ist, "einfach als gegeben hinnimmt". Und eben dies ist bei mir bis jetzt der Fall!
 
Ich bin geneigt zu glauben, das du hier nur provozieren willst, da man IMHO so ignorant gar nicht sein kann.

Aus Aquaristik aktuell:
Die artgerechte Haltung

- für viele Aquarianer noch immer uninteressant und unwichtig?

Vollrad Etzel


Das könnten wir meinen, wenn wir den Verkaufszahlen des Zoofachhandels Glauben schenken, die sowohl das Zubehör als auch das lebende Tier betreffen. Mit immer neuen Sonderangeboten werden gegenwärtige und zukünftige Aquarianer zum Kaufen angelockt. Wer dabei auf der Strecke bleibt, ist der Fisch, der in zu geringer Größe, in schlechter Kondition, mit einer akuten oder latenten Erkrankung (auch Parasitenbefall, wie eigene Untersuchungen im Veterinäruntersuchungsamt in Cuxhaven ergeben haben) erworben wird, um eventuell in eine unzureichende Umwelt, in das heimische, oftmals gerade erst eingerichtete Aquarium gesetzt zu werden.

Zur Zeit entscheiden oftmals über den Kauf der günstige Preis einiger Fische (zum Beispiel Wildfangtiere des Roten Neon für “0,49 DM pro Stück") sowie die Vorstellungen des Käufers in jeder Hinsicht, nicht aber die Bedürfnisse der Tiere. Dies zeigt deutlich, dass hierbei etwas übersehen wird, nämlich der Tier- und Artenschutz bei Zierfischen, die momentan das Topthema sind. Wie anders ist es sonst zu verstehen, dass Lehrgänge, Seminare, Schulungen und Besprechungen zum Thema Tierschutz sich ständig ablösen.

Hierzu hat der VDA, in meinen Augen beispielhaft und von Anfang an von den großen Aquarienvereinen unterstützt, den anfangs heftig umstrittenen Sachkundenachweis eingeführt. Dieser Sachkundenachweis ist mit Unterstützung des BNA inzwischen zum “Renner" avanciert, auf fast allen Ebenen anerkannt und sogar als Vorbild akzeptiert worden.

Tierschutz, Artenschutz, Halterichtlinien, das sind Begriffe, die durch die Presse und manche Köpfe geistern. Für einige Hobbyaner sind sie oft mißverständlich und stiften Verwirrung. Die Begriffe werden durcheinander-
geworfen und Tierschutz gleich Artenschutz gesehen und gewertet.

Gerade in letzter Zeit haben zahlreiche Diskussionen und schriftlich abgefaßte Meinungen deutlich werden lassen, dass die Kenntnis von Beurteilungskriterien tierschutzrelevanter Sachverhalte und im Artenschutz (in den Vereinen ist Bestandserhaltung gemeint) doch recht dürftig sind. Nutznießer dieser Situation sind die Kreise in unserem Hobby, die jede Neuerung, jede Erkenntnis, jede Verbesserung von eventuell unzureichenden Lebensverhältnissen oder Bestandserhaltungsbestrebungen ablehnen (siehe Bemühungen der Arbeitsgemeinschaften in der DCG, DGU und DKG, die Diskussionen zur Erarbeitung von besseren, gerechteren Bewertungskriterien bei Ausstellungen und Leistungsschauen). Diese Kreise propagieren und praktizieren eine fast ausschließlich ökonomisch orientierte, recht egoistische Vorstellung von Zierfischhaltung.

Gehandelt wird nach dem Motto: “das haben wir schon immer so gemacht, warum etwas verändern" oder “was die Vorstände denken und tun ist hochtrabend, abgehoben, die Basis denkt anders und will das nicht". Gerade dies haben wir in zwei großen, überregionalen deutschen Vereinen erlebt.

Diese eindeutig destruktive Haltung ist entschieden abzulehnen, denn die “ewig Gestrigen" vergessen, dass es bei allen Diskussionen um Zierfischhaltung um die Umsetzung der §§ 1 und 2 des Tierschutzgesetzes geht. Darin heißt es, dass keinem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen oder Schäden zugefügt werden dürfen und dass die Tiere artgemäß gehalten werden müssen. Besonders über die artgemäße Haltung und Pflege von Zierfischen wurde in letzter Zeit heftig und kontrovers gestritten. Die Meinungen über den richtigen Weg gehen dabei weit auseinander.

Hier noch einmal eine Stellungnahme zur Definition, was nach dem Tierschutzgesetz unter “artgerecht" bei Fischen zu verstehen ist. Diese Meinung deckt sich zwar nicht mit der des BNA/VDA, entspricht aber aus praktikablen Gründen der Ansicht von Prof. Dr. H. H. Sambraus (Deutsches Tierärzteblatt 1981 (4): 260-262). Das Wort “Art" ist im Zusammenhang mit dem Tierschutz jedoch nicht als taxonomischer Begriff, also als Synonym von Spezies gedacht, sondern im landläufigen Sinne gebraucht.

Wenn man von einem Kind erwartet, dass es artig ist, dann will man nicht etwa, dass es sich speziesgerecht verhält. In diesem Fall wäre nämlich fast jede Form des Benehmens gerechtfertig. Man wünscht aber, dass es sich so verhält, wie man es von seinem Alter, seinem Geschlecht sowie nach vorgegebenen pädagogischen Maximen erwartet. Im Zusammenhang mit dem Tierschutz gilt das Entsprechende. Mehr dazu in Etzel und Baus (Das Projekt Iquitos, Aquaristik aktuell 4/97: 26 - 27).

Bei aller Distanz sind sich die streitenden Parteien aber darüber einig, dass zunächst einmal vor Ort, also in den Heimatbiotopen unserer Zierfische, festgestellt werden muß, unter welchen Bedingungen jede Art lebt, um überhaupt erst definieren zu können, was für jede einzelne Fischart oder für eine Artengruppe “artgerecht" bedeutet. Sogar die heftigsten Kritiker in Sachen Anpassungsfähigkeit bei Fischen räumen ein, dass Untersuchungsergebnisse aus den natürlichen Lebensräumen unserer Zierfische eine unverzichtbare Grundlage für die Ableitung optimaler Lebensbedingungen im Aquarium sind.

Entgegen der Annahme und Aussagen einiger Kritiker sind deshalb beispielsweise feldichthyologische Untersuchungen nicht hochtrabend und allein egoistisch motiviert, sondern vermitteln entscheidende Hinweise für die Haltung und Pflege unserer Aquarienfische. Diese Felddaten bilden die Grundlage zu Halterichtlinien von Zierfischen, sind unentbehrlich und stehen leider nicht für jede Fischart und in ausreichender Anzahl zur Verfügung. Bisher wurden veröffentlichte Biotopdaten von den Fischpraktikern nur unvollkommen (wenn überhaupt) gelesen. Wer sie beachtet und möglicherweise praktisch umsetzt, hat hingegen kaum Probleme bei der Nachzucht von Arten, wie den Killifischen Rivulus ornatus (hohe Wassertemperaturen, pH 6,8 bis 7,2) oder Rivulus chucunaque (entscheidend waren hier pH 7,2 bis 7,5 und dGH > 8°). Nur wer akzeptiert, dass feldichthyologische Untersuchungen nicht nur notwendig sondern förderungswürdig sind, aus den gesammelten Ergebnissen die Konsequenzen zieht und sie auch in die Praxis umsetzt, handelt verantwortungsbewußt und tiergerecht.

In diesem Sinne werden nochmals die Faktoren genannt, so war man sich bei diversen Besprechungen beim VDA, BNA, TVT einig, die zur Beurteilung einer artgerechten Haltung herangezogen werden können:

1) Natürliches Verhalten

2) Gesundheit (gute Abwehr gegen Erkrankungen)

3) Erreichen des biologisch möglichen Lebensalters

4) Erfolgreiche Vermehrung

- physiologische Anzahl von Eiern/Jungfischen

- ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in der Nachzucht

- Verhalten, Gesundheit, Fruchtbarkeit der Nachzucht

5) Gesunde Nachzuchten

Wer also diese fünf Punkte berücksichtigt, dabei Felddaten, sofern vorhanden, zur Kenntnis nimmt, sie mit praktischen Beobachtungen und Erkenntnissen bei der Hälterung im Aquarium in Verbindung bringt und nicht jede Hälterung eines neuerworbenen Fisches zu einem Tierversuch werden läßt, der handelt verantwortungsvoll und tierschutzkonform.

Wir alle wissen, dass es unmöglich ist, die Natur zu kopieren und sie ins Aquarium zu verpflanzen. Das ist auch nicht Sinn und Zweck der Bemühungen um eine tiergerechte Haltung. Wer aber meint, und das ist nicht an den Haaren herbeigezogen, dass Sammelreisen in die Heimatgebiete der Aquarienfische zwecks Erforschung der dortigen Fauna und Ökologie ausschließlich oder überwiegend zur Befriedigung des Ego des Sammlers dienen, der ist nicht zeitgemäß und weiß gar nicht, worum es geht. Dies ist sehr bedauerlich, zeigt es doch, dass es trotz aller Bemühungen der Sammelreisenden nicht in allen Fällen gelungen ist, folgendes zu vermitteln: es geht nicht um die Befriedigung des Ego von einem “Großköpfigen", es geht um das Tier, den Fisch. Auf allen meinen Vorträgen (beim BNA, beim ZZF, bei tierärztlichen Seminaren und in der DKG) habe ich im Jahr 1996 folgende Thesen vorgeschlagen, die weitgehend akzeptiert wurden:

Wie können die Hälteruns-/Überlebensbedingungen der Fische verbessert werden:

1. Aufwertung des Begriffes “Tier" an sich

2. Wille zum Wissen, zur Veränderung, zu Kompromissen

3. Verzicht auf das Überbe-werten ökonomischer Interessen

4. Erarbeitung von ökologischen Daten der wichtigsten Fischarten

In vielen Äußerungen und der Praxis am Heimaquarium findet sich oft nichts von einem Verständnis für die oben vorgestellten Punkte. Es werden Argumente verwandt, wie wir es von Verfechtern der traditionellen Tiernutzung gewohnt sind: das Tier ist ein Nutz- und Lustobjekt! Dabei wird übersehen, dass diese Einstellung zu Natur und Tier inzwischen für viele Menschen unserer Zeit recht fragwürdig geworden ist und ein Nachdenken über unser Verhältnis zum Tier eingesetzt hat. Etwas davon hat sich schließlich bereits vor 25 Jahren (!) im Tierschutzgesetz von 1972 in den §§ 1 und 2 niedergeschlagen. Das Tierschutzgesetz wurde darauf ausgerichtet, die Beurteilungsmaßstäbe zum Schutze des Tieres weniger aus den Empfindungen des Menschen zu begründen und gefühlsbezogen zu sehen, als sie zunehmend auf repräsentative Feststellungen über tierartgemäße und artgerechte Normen beziehungsweise Erfordernisse zu stützen.

Aufgrund dieser Konzeption und ihres Ranges als eine grundsätzliche Regelung des Anspruches des Tieres auf Schutz vor vermeidbaren Schmerzen, Leiden oder Schäden fordert das Gesetz vorab ein Überdenken vieler bisheriger Vorstellungen in diesem Bereich. Auch der Frage tierschutzgerechter Hälterung von Zierfischen (= Aquariumfischen) im Zoofachhandel, aber wahrscheinlich zusätzlich noch beim organisierten Aquarianer, kommt zukünftig großes Gewicht zu. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen: danach sind Schmerz und Leiden Reaktionen des Tieres auf Einwirkungen jeder Art, die zu nachhaltigen Beeinträchtigungen des Wohlbefindens oder zusätzlich zu Abwehrreaktionen von Seiten des Tieres führen.

Der für die Hälterung verantwortliche Mensch muß nach diesen Grundsätzen in seinem Planen und Handeln vorausschauende Überlegungen, zum Beispiel zu Fragen der Gewährung der lebensnotwendigen Umweltbedingungen im Wasser (Temperatur, pH, Härte, Salzgehalt usw.), Futter, Vergesellschaftung etc. einbeziehen. Vorausschauend ist der Aquarianer, der sich vor der Haltung eines Fisches informiert, und dazu gehört auch das Lesen von Biotopbeschreibungen, sofern sie vorliegen.

Leider gibt es nicht für jede Fischart genügend Daten, das darf aber nicht dazu führen, vorliegende zu ignorieren, geben sie doch erste Hinweise, wie der Fisch zumindet zeitweise gelebt hat. Die Meinung “Feldbeobachtungen ..... können nicht auf die von uns erfolgreich praktizierte Aquaristik angewandt werden" muß entschieden zurückgewiesen werden, das Gegenteil ist der Fall: mehr Feldbeobachtungen, mehr ökologische Daten wie sie zum Beispiel Etzel, Linke und Staeck seit Jahrzehnten herantragen, sind erforderlich, um Fische tier- und artgerecht zu halten, um Leiden (zum Beispiel auch den häufigen Oodinium-Befall bei Nothobranchius, Fischtuberkulose usw.) zu vermeiden. Feldbeobachtungen sind also auch notwendig, um spätere Haltungsfehler, verbunden mit Schmerzen und Leiden, zu vermeiden.

Die Kardinalfrage des Tierschutzes ist demnach die Bewahrung der Tiere vor Schmerzen. Ganz besonders muß sich hierbei der Tierarzt für den Schmerz interessieren, weil er berufen ist, Schmerzen zu lindern. Er kann aufgrund seiner Erfahrungen mit dem Schmerz umgehen, vor allem dann, wenn, wie oben schon angedeutet, wichtige andere Symptome gegeben sind, die auf den Schmerz hinweisen.

In der heute noch zum Teil üblichen Fischhaltung bis hin zu Massenhaltungen bei Händlern und Züchtern sind die Leiden manchmal sehr hoch. Das fordert vom Tierarzt mehr denn je, sich seiner Berufsordnung zu erinnern: Durch Verhütung von Leiden und Krankheiten erfüllt er hier seine Pflicht, die ihm durch die Berufsordnung auferlegt wurde. Die Erfüllung dieser ethischen Forderung sollte allen Angehörigen des tierärztlichen Berufsstandes selbstverständlich sein (Sambraus, 1981).

Feldforschungen von sogenannten Amateurwissenschaftlern sind nicht hochtrabend, abgehoben, oder etwas für Profilneurotiker, nicht zum Hervorheben der eigenen Person bei gleichzeitiger Herabwürdigung anderer, sondern sie stellen vielmehr die Grundvoraussetzung zur Vermeidung von Leiden dar, sind praktische Berufsausübungen, sind ein Teil des Ganzen.

Und hier liegt das Wichtigste, das meist vergessen wird: der BNA, der VDA zum Beispiel, sind das Ganze, das Dach. Hierunter gibt es die reinen Fischhalter, die Züchter, die Amateur- und hauptberuflichen Wissenschaftler, u. a. auch Tierärzte. Sie alle zusammen stellen unsere Gemeinschaft dar, jeder einzelne gibt sein Bestes zum Wohle des anderen. Ausgrenzungen, wie geschehen, darf es nicht geben.

Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass es bei der artgerechten Haltung von Fischen um Tierschutz geht. Der Tierschutz muß von jedem einzelnen zuhause praktiziert werden, nicht auf die schwindenden Biotope vor Ort abgeschoben werden. Wir wissen, dass wir in den Herkunftsländern unserer Fische wenig bewirken können, deshalb bleibt es bei jedem einzelnen von uns, heute, nicht morgen, mehr zum Wohle unserer Fische zu tun. Dazu gehören artgerechte (= optimale) Haltung der Fische beim Aquarianer zuhause, beim Transport, bei Tauschbörsen, bei Ausstellungen der Fische sowie die Unterstützung von Feldforschungen zur vermehrten Sammlung von Biotopdaten.

Auch gilt es, Mitgefühl zu entwickeln und zu lernen, wie man das Leben von Tieren schützen kann. Die Grundlage aller Regeln ist Achtsamkeit. Nur mit Achtsamkeit erkennen wir, Mitgefühl als Quelle der Kraft zum Schutz “unserer" Fische zu entfalten. Allein Mitgefühl zu empfinden, ist aber nicht genug. Wir müssen die Anstrengung aufbringen, etwas ändern zu wollen.

Dazu gehört es zu akzeptieren, dass Tiere eine eigene Würde und eigene Lebensrechte haben. Die Entwertung des Tieres zur bloßen Sache, die uns grenzenlos und herrschaftsförmig untergeordnet ist, muß als eine schwerwiegende Fehleinschätzung unserer Position im Kontext des Lebens angesehen werden. Die Aquarianer werden sich dem Trend der heutigen Zeit nicht verschließen können und geeignete Maßnahmen zur Durchsetzung von artgerechter Haltung und Bestandserhaltung ergreifen und praktizieren müssen. Sabotieren und Aussitzen wird zukünftig wohl nicht mehr die Methode der Wahl sein dürfen.

Schweigen als Methode ist in den letzten Monaten genug angewandt worden, in Sachen Tierschutz bei Fischen darf jedoch nicht länger geschwiegen werden, Handeln, nicht Debattieren, ist dringend erforderlich.

Möge dieser Beitrag, den mir dankenswerterweise Gerd Rosch computergerecht bearbeitet hat, so aufgefaßt werden, wie er beabsichtigt war: er soll weder rühmen noch verteidigen, er will aber auch nicht beschuldigen oder anklagen. Vielmehr möchte er klären und aufhellen
So und jetzt lies den Artikel bitte nochmal durch und dann kaufe dir gefälligst die in den Verweisen genannte Schriften.

cu
 

Thatsme

Neues Mitglied
@ psAiko Ehrlich gesagt versteh ich Dein weiteres Nachhaken auch nicht. Was verlangst Du denn noch für Ausführungen, um überzeugt zu werden? Mehr als hier und in den angegebenen Links kann man doch nicht mehr sagen. Und ich denke einfach mal, die angegebenen Gründe sind schon einleuchtend genug. Außerdem finde ich, wenn einem Fachleute eindringlich drauf hinweisen, keine runden Aquarien zu kaufen, dann sagen die das nicht ohne Grund und diese werden auch ausführlich genug aufgeführt. Man sollte natürlich auch offen genug sein, auf diese Gründe einzugehen und diese zu akzeptieren und nicht noch tausend fadenscheinige Gegenargumente finden wollen.

Wenn Dir Dein Arzt sagt, Du hast Grippe und er verschreibt Dir Penicilin, dann fragst Du doch auch nicht tausendmal nach, wieso er das tut. Er sagt Dir vielleicht kurz, wie es wirkt und dann ist gut. Du glaubst ihm das einfach, weil er davon Ahnung hat. Und so könntest Du auch erfahrenen Aquarianern glauben, wenn sie Dir sagen, daß Du keine runden Aquarien nehmen sollst, weil sich die Fische nicht ausreichend orientieren können und durch fehlende Ecken keine Rückzugsmöglichkeiten bieten. Und nicht Vergleiche mit Menschen anstellen, die ja nun wirklich eine andere Lebensweise haben.
 

DaFunk

Mitglied
Man sollte einfach bedenken, dass in einem Goldfischglas der Wasserstrom nicht durch Ecken gebrochen wird. Ddruch wird, je nach Größe, der Fisch durch die Wasserbewegung, die entweder er selbst oder eine Pumpe verursacht zu der Kreisschwimmbewegung gezwungen. Daher wird die Glashaltung von Tierschützern IMHO zu Recht verteufelt.

Ich würde auf alle Fälle ein rechteckiges Aquarium bevorzugen. In meinem Godfischglas habe ich Steine und Blumen, die FIsche sind aber im Aquarium, solange die Katze nicht in der Nähe ist;)

Gruß
DaFunk
 

tschilp

Neues Mitglied
...

@thatsme: das ganze ist zwar schon ein weilchen her, aber eurer ansicht nach sicherlich immer noch aktuell :).
also, ich verstehe psaiko sehr gut:

1. falls mir mein arzt penicillin verschreibt, sollte ich selbstverständlich nachfragen, denn vermutlich habe ich eine virusinfektion - begleitende bakterieninfektionen bekommt das immunsystem ganz gut in den griff, die antibiotikaschwemme trägt nur dazu bei, dass unzählige stämme bei echten infektionen umso gefährlicher werden, weil resistent.
sinn des obenstehenden: man sollte NICHTS als gegeben hinnehmen. menschen neigen nämlich dazu, fehler zu machen. was sich durch eine große anzahl menschen auch nicht unbedingt verbessert...

2. die texte enthalten wirklich keine sinnigen argumente. im gegenteil - das einzig genannte ist das, dass als gegenthese verwendet wird: wir machen es schon immer so, also sind runde aquarien immer noch eine verführung des teufels (ähnlichkeiten mit kirchlichen ausdrucksweisen sind natürlich rein zufällig und ohne weitere bedeutung ;)

3. sauerstoff bringt zur not auch eine pumpe...

4. einzig sinniges argument: der ungebrochene wasserstrom. allerdings ist wasser sehr träge, ein 2-3 cm großer fisch sollte in einem 15 l aqurium keine nennenswerten strömungen erzeugen...

5. eine pflanze in der mitte des aquariums löst auch das versteckproblem

6. konnte mir noch keiner nachweisen, dass ein rundes glas sich negativ auf die fischpsyche auswirkt... ich fände eine runde behausung ausgesprochen cool...

7. ach so, ein fisch orientiert sich mit sicherheit nicht an seiner aquariumswand - zum thema ein rundes aquarium bringt den fisch, weil anderes räumliches vorstellungsvermögen - durcheinander

liebe grüße an alle fischfans

mir ist er gebraten immer noch am liebsten

p.s.: ich bin biologe...
 
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