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Deutschland schafft die Chipindustrie ab

nohtz

Bekanntes Mitglied
Da nun letzte Woche unser lieber Wirtschaftsturnbeutelvergesser P. Rösler im Silicon Saxony (und bei globalfoundries im auditorium) zu Besuch war, um (u.a. mit Hartmut Fiedler, Staatssekretär für Wirtschaft und Arbeit im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA), Helmut Warnecke, Vorstand Silicon Saxony e. V. und Geschäftsführer Infineon Technologies und Rutger Wijburg, Senior Vice President und General Manager, GLOBALFOUNDRIES Dresden) Gespräche "über Mikroelektronik als Schlüsseltechnologie für Industrie 4.0“ zu führen, möchte ich nun per c&p zum besten geben, was dabei rum kam:

[FONT=&quot]"Kommentar: Deutschland schafft die Chipindustrie ab[/FONT]
[FONT=&quot]12.09.2013 von Frank Riemenschneider [/FONT]
[FONT=&quot]Lange hat es gedauert, bis Bundeswirtschaftsminister Rösler den Weg ins deutsche Chip-Mekka »Silicon Saxony« gefunden hat. Wer allerdings gehofft hatte, der Minister hätte die berechtigten Anliegen der deutschen Halbleiter-Industrie im globalen Wettbewerb verstanden, wurde einmal mehr enttäuscht.[/FONT]

[FONT=&quot]Eigentlich war die Idee gut – der sächische Branchenverband »Silicon Saxony« hatte die Industrie 4.0. als Aufhänger benutzt, um Bundeswirtschaftsminister Rösler deutlich zu machen, welcher Schlüsselrolle die Mikroelektronik in Bezug auf die deutsche Industrie einnimmt.[/FONT]
[FONT=&quot]In einem “Dresdner Position” genannten Papier, das man dem Minister in die Hand drückte, wurde mehr oder weniger deutlich um zusätzliche Fördergelder geworben, eine angesichts der - diplomatisch formuliert – unterschiedlichen Subventionspolitik einiger Länder insbesondere in Bezug auf Fertigungsanlagen ein mehr als berechtigtes Anliegen.[/FONT]
[FONT=&quot]Wie leider nicht anders zu erwarten, stieß man bei Rösler mehr oder weniger auf taube Ohren: “Wir brauchen in Deutschland unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Wir haben eine hervorragende Forschungsinfrastruktur. Unternehmer werden im vorwettbewerblichen Raum solide unterstützt…”, erklärte der Minister in Dresden. Im “vorwettbewerblichen Raum” heißt eben auch, Fördergelder für die Forschung ja, für den Bau milliardenteurer Fabs nein – anders als dies z.B. die USA, Korea oder Taiwan handhaben, wo ein TSMC nur und alleine dank staatlicher Gelder zum Leben erweckt wurde und heute die weltgrößten Fabs mit stetig steigenden Umsätzen betreibt.[/FONT]
[FONT=&quot]Wie man gleiche Wettbewerbsbedingungen, wie sie Verbands-Vorstand und Infineon-Dresden-Chef Helmut Warnecke berechtigterweise forderte, aus Sicht des Wirtschaftsministeriums schaffen soll, hatte mir Röslers Mitarbeiter Regierungsdirektor Dr. Joachim Reichert bereits in Berlin mitgeteilt: “Man muss den Taiwanern sagen, dass der Subventionswahnsinn aufhören muss”. Dies ist sicher ein interessanter Ansatz, ich frage mich nur, welche Motivation die taiwanische Regierung haben soll, die erfolgreiche Unterstützung für TSMC & Co., die Taiwan zu einer weltweiten Chip-Hochburg hat werden lassen, plötzlich einzustellen bzw. welche Druckmittel die Bundesregierung einsetzen will? Realistisch gesehen würde wohl jeder deutsche Politiker ausgelacht, wenn er bei Regierungsgesprächen die Einstellung der Fördermaßnahmen fordern würde.[/FONT]
[FONT=&quot]Ein weiteres Problem, das Rösler ebenfalls vollkommen verkennt, ist die Tatsache, dass Deutschland nicht nur im Wettbewerb mit den USA und asiatischen Staaten bezüglich der Chipfertigung abgehängt zu werden droht, sondern auch innerhalb Europas von Frankreich.[/FONT]
[FONT=&quot]Dessen Regierung hat nämlich offenbar anders als die Bundesregierung erkannt, dass es 5 vor 12 ist und ein Förderprogramm mit dem Namen Nano2017 aufgesetzt. Unter Federführung des Entwicklungslabors für Elektronik und Informationstechnologien (LETI) des Kommissariats für Atomenergie und alternative Energien (CEA) und des französisch-italienischen Konzerns STMicroelectronics sollen bis 2017 insgesamt 3,5 Mrd. Euro in die Erforschung und Entwicklung industrieller Anwendungen der Nanotechnologie fließen. Die Regierung bezuschusst das Projekt mit 600 Mio. Euro, wie Premierminister Marc Ayrault Ende Juli 2013 in Grenoble mitteilte.[/FONT]
[FONT=&quot]Das Programm setzt damit das ähnlich gestrickte Vorgängerprojekt Nano2012 fort, das 2008 angekündigt worden war. Wie dieses ist auch Nano2017 schwerpunktmäßig im Cluster für Mikro- und Nanotechnologie sowie Software (Pôle de compétitivité Minalogic) in Crolles bei Grenoble angesiedelt. Zielsetzung ist ausdrücklich, bis 2017 einen Sprung in der Entwicklung und der Verbreitung industriell nutzbarer Nanotechnologie herbeizuführen. Mit rund 1,5 Mrd. Euro entfällt ein Großteil der geplanten Investitionen auf die Erweiterung der Produktion von Wafern durch STMicroelectronics am Standort Crolles. Von derzeit 3.500 Wafern pro Woche soll die Kapazität auf 7.000 Wafer erhöht werden.[/FONT]
[FONT=&quot]Dass Globalfoundries seine Kapazität am Standort Dresden erweitern wird, bleibt zu bezweifeln – CEO Ajit Manocha hatte mir gegenüber im Interview erklärt, dass er von Gesprächen mit Beratern von Bundeskanzlerin Merkel in Berlin mehr als enttäuscht gewesen sei und zu Recht darauf hingewiesen, dass man im globalen Wettbewerb um die attraktivsten Standorte stehe. Das Ergebnis ist ja u.a., dass die Leading-Edge-Fabs von Globalfoundries dank amerikanischer Milliardenhilfen nicht in Dresden, sondern an der US-Ostküste in Albany stehen. Insofern waren Röslers Äußerungen in Dresden nichts anderes, als die destruktive Linie der Bundesregierung im Hinblick auf die Unterstützung der Mikroelektronik insbesondere der Halbleiter-Fertigung konsequent fortzusetzen. Sein Ratschlag, die Industrie “möge sich doch besser vernetzen” hilft leider nicht, Milliardeninvestitionen für eine Leading-Edge-Halbleiter-Fab beizubringen, am besten noch für 450-mm-Wafer, wie es das IMEC, wo bereits eine 450-mm-Pilotlinie läuft, schon seit langem fordert, um Europa technologisch wieder zur Weltspitze zu führen.[/FONT]
[FONT=&quot]So bitter es auch ist, aber diese Politik kann mittel- und langfristig nur zu einem Ergebnis führen: Deutschland schafft die Chipindustrie ab"[/FONT]

http://www.elektroniknet.de/halbleiter/sonstiges/artikel/101199/


Der promovierte Dr. med. (Wurst) und Stabsarzt der Reserve hatte in seinem Leben und Ausbildung nie mit Wirtschaft zu tun.
Philipp Rösler – Wikipedia
alles andere als "man muss den Taiwanern sagen, dass der Subventionswahnsinn aufhören muss", hätte mich auch ehrlich (positiv) überrascht...
traurig, dass so einer solche Entscheidungen treffen darf
(die beste Regierung seit der Wiedervereinigung)
 
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H

Heisenberg

Guest
Chipherstellung ist halt auch irgendwie noch #Neuland für Rösler und Merkel.
 
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Laborant

Aktives Mitglied
Wie stellen sich die Politiker das ganze denn vor? Europa forscht und andere Länder fahren den Gewinn ein, indem sie das Erforschte umsetzen können? o_O

Manmanman...

#Neuland trifft es wirklich.

"wir wollen uns keine Fördermassnahmen leisten, finden es aber ungerecht, dass andere ihre Industrie staatlich fördern." - auf welchem Planeten lebt der? Wirtschaft ist knallhartes Biz. Auch auf Staatlicher Ebene.

Aber keine Sorge... das geht nicht nur euch "Tütschen" so. Auch wir in der Schweiz haben mit Neuland-Politikern zu tun.
 

eichyl

Mitglied
Noch schlimmer ist, dass die wirklich guten Leute auch nicht in Dresden arbeiten wollen...weil die Gehälter leider nicht ganz so üppig sind. Schade, da wir in Sachsen (insb. Dresden) mit der TUD echt Top Leute haben.
 

bocadillo

Bekanntes Mitglied
Eichyl

Du weißt - was du den topöeuten mehr gibst mußt du den unteren abziehen - die Lohnquote steht und so hoch lukrativ ist eine chipsparte in d nicht .

Laborant

Das einer forscht , Risiko eingeht und andere sich dann dranhängen ist nicht fürchterlich neu .

Subventionspolitik ist halt so eine Sache - allerdings habe ich den Standort " Silikon Saxonia " nie verstanden - Nähe nach Polen hin oder her .
 
T

TheHunter

Guest
Bald ist es doch eh vorbei... Nach den aktuellen Prognosen fliegt die FDP doch eh komplett aus dem Bundestag, da bin ich mal gespannt welche Flasche sie dann als Wirtschaftsminister installieren. :D
 

Laborant

Aktives Mitglied
boca: Säxisch gilt doch inzwischen als säxy... ne? (Um JBO mal frei zu zitieren).

Natürlich ist es ein Risiko, wenn man forscht, dass sich jemand anders an den Ergebnissen bereichert. Aber nur weil man selbst keine Subventionen geben will, halte ich es für etwas geisteskrank, das anderen auszureden.
So ziemlich das ganze Wachstum Chinas baut auf Staatlichen Protektionismus, Förderung und verhinderung von Gewerkschaften *hust*.

Nur weil etwas "nich lukrativ" in Europa ist, heisst das nicht, dass wir alles outsourcen müssen. Ein bisschen Protektionismus würde auch Deutschland (bzw Europa im gesamten) nicht schaden...
Europa ist auch so ziemlich das einzige Wirtschaftsgebilde, welches sich den WTO-Verträgen vollständig unterwirft. Amiland hat nur mit Protektionismusklauseln zugestimmt und China macht eh, was sie wollen. Das ist, als würde man sich ein Bein abhacken bevor man in den Krieg zieht... damit es die anderen nicht zu schwer haben -.-
 

nohtz

Bekanntes Mitglied
"Subventionspolitik ist halt so eine Sache - allerdings habe ich den Standort " Silikon Saxonia " nie verstanden - Nähe nach Polen hin oder her ."
-->das glaub ich dir ungesehen. (dem Rösler würd ichs auch glauben)
schon, weils "silicon saxony" heisst...
und hat auch nix mit polen zu tun,
hallo schublade...

es geht nicht um die billigen arbeitskräfte, sondern die menge an (sehr) guten ingenieuren.
damals zu DDR-zeiten war da schon die mikroelektronik beheimatet, das ging nach der wende mit infineon und amd weiter (weil halt die guten leute konzentriert dort vorkommen) eine ganze zulieferer-industrie hat sich anangesiedelt.
vom reinstwasserlieferanten über ein gemeinsam genutztes maskenwerk bis zur firma die die wafer herstellt

"Aber nur weil man selbst keine Subventionen geben will, halte ich es für etwas geisteskrank, das anderen auszureden."
-->die beste regierung seit der wiedervereinigung...
 

eichyl

Mitglied
Eichyl

Du weißt - was du den topöeuten mehr gibst mußt du den unteren abziehen - die Lohnquote steht und so hoch lukrativ ist eine chipsparte in d nicht .

Ach, Darum geht es nicht. Warum sollen den Top-Qualifizierte Ingeneure dort arbeiten wenn es snderen Konzerne gibt die deutlich mehr zahlen. Das ist das traurige. Dazu keine Gelder fürF&E na dann kommen bestimmt viele fachkräfte...

Zum Standort: Nohtz hat es schon ganz gut geschildert. Allerdings kommen dazu noch die nähe zu Leipzig als zentraler Umschlagplatz. Die Ausbildungssituation mit der TUD, Uni Leipzig und Halle. Forschungszentren wie z.B. Leibnitz Institute. Die nähe zu Poeln interessiert da überhaupt nicht, da wäre Berlin sinnvoller gewesen, wenn es darum ginge.
 
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nohtz

Bekanntes Mitglied
"Die nähe zu Polen interessiert da überhaupt nicht, da wäre Berlin sinnvoller gewesen, wenn es darum ginge"
-->Boca wollte halt auchmal mitreden.
aber wie er schon sagte, er hats eh nicht verstanden
 

bocadillo

Bekanntes Mitglied
Nohtz

Boca hat es verstanden - aber egal.

Als "" Silikon Saxonia " entstand war Berlin sowas von irrelevant - und letztendlich ist es das immer noch .

Die " Mikroelektronik " der DDR war jetzt auch nicht die Inkarnation . Es war ein versuch dort etwas zu erhalten was nicht mittelfristig zu halten war .

Was ich verstehe nohtz - das ganze trifft dich persönlich .

Das ändert nichts daran das es langfristig gesehen genauso eine Totgeburt war wie der verzweifelte Versuch " Schwarze pumpe " als industriezelle zu erhalten .
 
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Laborant

Aktives Mitglied
Man kann trotzdem nicht erwarten, dass man eine Chipindustrie konkurrenzfähig betreiben kann, wenn die Konkurrenz ihre Chipindustrie staatlich Fördert und Subventioniert. Ohne diese Subventionen kannst du die Chipindustrie auch in Bayern, in BaWü oder in der Schweiz versuchen... es wird kaum wirklich funktionieren. Warum? Weil die anderen immer billiger sein werden. Weil Staatlich gefördert.

Und dann einfach nach Taiwan gehen um zu sagen: "Eure Staatliche Förderung passt uns nicht, weil wir unsere Sachen nicht Staatlich fördern wollen und unsere Sachen darum nicht mit euren Sachen mithalten können..." funktioniert doch wirklich nur im Kindergarten... hm?

Chipindustrie braucht man dort, wo das KnowHow ist. Und die Säxischen Unis haben disbezüglich keinen schlechten Ruf.

Wenn man vielleicht billig Chips herstellen will, schafft man das im ehesten noch im Kongo. Dort fallen auch die Transporte von den Minen in die Fabrik nicht mehr so gewaltig aus *g* Blöderweise wird kein Ingenieur der etwas auf sich hält, in den Kongo gehen um dort Chips zu entwerfen und Maschinen zu programmieren.
 

nohtz

Bekanntes Mitglied
" Silikon Saxonia "
-->so heisst es immernoch nicht

"war Berlin sowas von irrelevant - und letztendlich ist es das immer noch ."
-->sicher, aber auch polen, welches du ins spiel gebracht hast

"Die " Mikroelektronik " der DDR war jetzt auch nicht die Inkarnation . Es war ein versuch dort etwas zu erhalten was nicht mittelfristig zu halten war "
-->wie kommst du jetzt darauf? haste irgendwelche fakten, die das untermauern?
nach der wende gab es fördergelder, aber da gabs eben auch jede menge leute, die ahnung hatten auf einem haufen.
als sich AMD mitte der 90er enschied in DD seine neueste Fab zu bauen gab das da wohnende knowhow den ausschlag, nicht die absolute höhe an fördergeldern, die gabs anderswo in DTL

rate mal, warum die neueste GF-Fab im bundesstaat NY (2 autostunden von NY city entfernt) in einen sumpf im nirgendwo gebaut wurde und nicht in DD?
weils dort mehr fördergelder gab, und man als ENG wohl lieber nach NY als in den kongo geht ;-)

"Chipindustrie braucht man dort, wo das KnowHow ist. Und die Säxischen Unis haben disbezüglich keinen schlechten Ruf"
-->so schauts aus
 
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