Arbeitsamt & Co.

Stefan Fritzenkötter

Bekanntes Mitglied
Nachdem die ganze Diskussion um den Obersten aller Arbeitslosen entfacht ist und dieser nun gekündigt ist, kam ich auf die Idee mir mal das moderne Arbeitsamt etwas anzusehen.
Ich bin enttäusch. So viel Geld für Berater und Unternehemen, die die Behörde in die Welt der Realität schubsen sollen, aber irgendwie hat sich nix geändert. Es gibt mehr und mehr Arbeitslose, Jobs werden dazu auch immer weniger und die Website der arbeitsagentur.de ist schlechter als 90% der privaten Homepages. *kopfschüttel*
Meiner Meinung nach ist der richtige Kopf gerollt, aber irgendwie müssten da noch ein paar Leute mehr den Hut nehmen.
 

Thomas

Bekanntes Mitglied
Klar hat Florian Gerster ein paar gravierende Fehler gemacht, aber weitaus schlimmer für seine Kündigung dürfte der Umstand sein dass er für die Regierung in Zeiten knapper Kassen nicht mehr tragbar gewesen ist. Wie soll man dem Volk Millionenausgaben erklären wenn zur gleichen Zeit die Belastung immer höher wird und man stets angehalten wird in allen Bereichen sparen zu müssen.
Auch haben die Reformen welche Gerster angestrebt hat mit Sicherheit nicht überall auf kompromisslose Zustimmung getroffen. Ein Schelm wer dabei eine Verschwörung vermuten könnte. :)

Ganz klar ist es jedoch, dass Politiker eindeutig zu wenig verdienen. Denkt ihr wirklich ein fähiger Manager würde in die Politik gehen und dort einmal richtige aufräumen, sprich reformieren und vernünftig haushalten. Nein, niemals. In der freien Wirtschaft kann man wesentlich mehr verdienen, warum dann für den Staat arbeiten?
 

T39

Bekanntes Mitglied
Wer in Deutschland Probleme verwaltet, hat es leichter als jeder, der nach Lösungen sucht, heisst es in einem Artikel des Tagesspiegels. Korrekt. Verurteilt war die Mission von Anfang an, die Mammutbehörde zu reformieren, auf 20.000 Beschäftigte zu verzichten. Das macht schlechte Stimmung. Nicht verwunderlich, dass eine Jagd, besser eine Hetze par excellence stattfand, initiiert von den Unionspolitikern, DGB- Streithexe Engelen-Kefer, die mit ihrer verfehlter Tarifpolitik erhebliche Mitschuld an der hohen Arbeitslosigkeit mitträgt, unzufriedenen Besitzstandswahrer und preussische Flurschleicher der Behörde, und selbstverständlich die einigen Medien.
 

NoIdea

Mitglied
Immerhin kann man ihm nicht vorwerfen, Arbeitsplätze vernichtet zu haben.
Statt 20000 mittelmäßig bezahlte Arbeitsplätze einzusparen, hat er mehrere tausend gut bezahlte Berater vor der Arbeitslosigkeit bewahrt ;)
Dazu noch mehrer hundert hochpreisige Autos aus deutscher Produktion geordert. Nur schade dass er dazu die Beiträge aus der Arbeitslosenversicherung benutzt hat, da kann man einem Arbeitslosen dann schlecht weismachen, dass kein Geld für ihn da ist.
Aber mal zurück zu den Beratern:
Vom Preis-Leistungs-Verhältnis ist IMHO nur noch Telefonsex schlechter.
Je mehr Berater es sind desto schlechter, die sind dann voll und ganz damit ausgelastet sich selbst zu organisieren. Nebenbei fallen auch ein paar Powerpoint Präsentationen ab die komplexe Vorgänge so zusammenfassen, dass auch ein Manager sie verseht (oder zumindest glaubt zu verstehen), wobei die lösungen dann auch so vereinfacht sind, dass sie für das eigentlich Problem ungeeignet sind.
Klar ist leider auch, dass Gerster letztendlich Intrigen von Bildzeitung(CDU), Gewerkschaften und Anstaltsmitarbeitern zum Opfer gefallen ist, aber die Gegner hätten ihm vorher bekannt sein müssen, denen eine derartige offene Flanke zu zeigen zeugt nicht von echten Führungsqualitäten.
 

Joachim Batke

Bekanntes Mitglied
Eine Reform solche einer Superbehörde geht nur dann, wenn wenigstens ein Teil der Mitarbeiter eingebunden sein, und gleichzeitig ein erheblicher finanzieller Druck vorhanden ist. Einige externe Berater sind dann auch nicht schlecht, weil die doch manchmal den richtigen Leute ins richtige Körperteil treten können.

Aber so wie Gerster aufgetreten ist, musste er einfach scheitern. Das die Mitarbeitern dann auch nichts besseres zu tun haben, als die vom Chef gewünschten Verträge mal kurz der Presse zuzuspielen kann ich gut verstehen.

Ich bin auch in einer Behörde gefangen und für solche Sonderwünsche besonderer Personen hab ich wie wohl fast jeder in dieser Branche einen besonderen Ordner angelegt. Könnte man immer mal brauchen. Man muss nur dafür sorgen, das die richtigen Zettel noch vorhanden sind. Einige Chefs z.b. haben die komische Angewohnheit, die brisanten Anweisungen nur auf einem Postit zu machen. Da heißt es dann rechtzeitig kopieren gehen und vielleicht noch die eine oder andere Bestätigung schicken:

Sehr gehrter Chef,
wie von Ihnen am 01.01.03 angeordnet, ist der Auftrag an die Fa. XY vergeben worden. Ihr Schwager hat den Auftrag auch schon telefonisch bestätigt.

So in der Art. :)
 

Thomas

Bekanntes Mitglied
ARD: BA-Vorstand Weise hielt Gerster entlastendes Papier zurück

Berlin (Reuters) - Der Finanzvorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, hat einem ARD-Bericht zufolge ein Papier zurückgehalten, das den inzwischen entlassenen BA-Chef Florian Gerster entlastet hätte.

Den gesamten Bericht gibt es hier zu lesen.

Anscheinend hatte Gerster nur einen Beratervertrag falsch abgeschlossen, und dass auch nur aufgrund eines Formfehlers.
Klar ist, die Reform hat sehr viele Personen in Deutschland gestört und Gerster abzusetzen war die leichteste Möglichkeit diese Pläne zu stoppen.
 

Merlin

Aktives Mitglied
Re: ARD: BA-Vorstand Weise hielt Gerster entlastendes Papier zurück

Original geschrieben von asrael
Anscheinend hatte Gerster nur einen Beratervertrag falsch abgeschlossen, und dass auch nur aufgrund eines Formfehlers.

Ja, wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht ;). *Alle* Beraterverträge waren falsch, weil unnötig und faktisch viel zu teuer.

Aber der Gerster ist ja nicht der Einzige in Deutschland, der Steuergelder verprasst. Da gibt es auch Leute, die "versuchen" den maximalen Gewinn aus einem nicht funktionierendem Mautsystem zu schlagen und damit bisher sehr erfolgreich sind. Ich glaube ich weiß wieviele Leute für TollCollect in Wirklichkeit arbeiten: 500 Juristen und 2 Leute in der Entwicklung ...
 

Joachim Batke

Bekanntes Mitglied
Solche Beraterverträge gehen nie am Chef vorbei. Nur wird er konsequent dafür gesorgt haben, das andere die Drecksarbeit für ihn gemacht haben.

Wieso überhaupt mischt sich der Chef in eine Vergabe ein. Dazu hat er eigentlich Speziallisten im Hause. Er braucht eigentlich nur den groben Bedarf definieren, den Rest macht der Einkauf.

Alleine das er überhaupt an dem Verfahren beteiligt ist, ist in meinem Augen schon ein Grund ihn zu feuern.
 
Oben